Blick vom Rathaus her kommend
Altstadtbesen vom Haagtor her
Innenansicht
Zum Rauchsalon
Bewacherin der Kellertür

Nach einer Woche Schweinebraten und zwei Wochen Schlachtplatte wechseln wir diese Woche die Speisekarte. Ab Mittwoch, dem 3. Februar 2010 gibt es dann BESEN-GULASCH mit Spätzle nach dem Hausrezept von Renate Brenner und schwäbische LINSEN mit Saitenwürstle und Spätzle.
Samstag, 13. Februar ab 16 Uhr (eine Stunde vor Besen-Beginn). WEIN und RELIGION. Ein launischer Vortrag des Tübinger Urbansbruders Bernhard W. Schneider.
Dienstag, 16. Februar ab 17 Uhr: KAPPENABEND der URBANSBRUDERSCHAFT. Motto in Abwandlung der Kampagne von Oberbürgermeister Boris Palmer: TÜBINGER MACHT BLAU. Eingeladen sind natürlich alle Weinliebhaber.
Samstag, 30. Januar 2010, 16°° Uhr im Tübinger Altstadt-Besen in der Haaggasse 22
Jürg Gaebele, Domapotheker aus Rottenburg a.D. und Tübinger Urbansbruder,
präsentiert seine gesammelten Wein- und Trinksprüche
Freunde des Weins und der Weinkultur sind herzlich eingeladen.
Veranstalter:
Urbansbruderschaft Tübingen e.V.
Confrerie bachique – Wine brotherhood
Tübinger Altstadtbesen
David Brenner
Haaggasse 22
72070 Tübingen
Jürg Gaebele, geboren im protestantischen Mössingen, wohnt seit Jahrzehnten in Rottenburg und ist dort durch viele historische Stadtführungen bekannt. Einmal wurde er schon fast Rottenburger Urbansbruder, bis diese Bruderschaft aus 24 lebenslangen, katholischen und männlichen Mitgliedern noch rechtzeitig merkte, dass Jürg Gaebele „württembergisch“, das heißt „nicht katholisch“ ist. Die Tübinger Urbansbruderschaft kennt diese strengen Ausgrenzungsregeln nicht. Sie versammelt Freunde und Aktive der lokalen Weinkultur jeder Glaubensrichtung, sogar Agnostiker und Frauen dürfen der Urbansbruderschaft Tübingen e.V. angehören. Damit schließt sie an die Gebräuche der Hirschauer Urbansbruderschaft an, die schon vor über 350 Jahren Frauen zuließ.
Dieter Manz schreibt in seinem Buch „Rottenburger Wein und Urbansbruderschaft“ (Sülchgauer Altertumsverein, Rottenburg 2001) über die „Urbansbruderschaft in Hischau“:
„Um des Seelenheils der Hirschauer willen feierten von 1650 an Priester des 1649 gegründeten Jesuitenkollegs in Hirschau Gottesdienst und betreuten als Seelsorger vorüberhegend die Gemeinde. Da hätten dann - so unsere Handschrift – einige Hirschauer gewünscht, die „ainstens gehabte“ St. Urbansbruderschaft wieder zu errichten. Daraufhin versuchten die Jesuiten „durch glaubwürdigen bericht“ in Erfahrung zu bringen, was „Inhalt selbiger Bruderschaft“ gewesen sei. Was sie zu hören bekamen, war nicht gerade erbaulich. Es kam nämlich heraus, dass „mehr Miss als guette Bräuch in schwung gewesen“. So sei der „Hauptpunkt“ dieser Bruderschaft gewesen, dass sie jährlich von ihren Mitgliedern Wein bekam, „den sie nachmahlen an St. Urbans Tag im Wirtshaus verzehrten so lang er wehrete, ob man schon etliche Tag daran zu zehren hätte“. Anders gesagt: Die Mitglieder der Hirschauer Urbansbruderschaft tranken im Wirtshaus, bis der Wein aufgebraucht war – und wenn es mehrere Tage dauerte! Ja, zu diesem „Zehren“ gingen die Brüder und Schwestern in Prozession direkt von der Kirche ins Wirtshaus, wobei sie „die Bildtnuß S. Urbani“ mit sich trugen. Der schlechte Ruf dieser Bruderschaft habe sogar dazu geführt, dass in der Nachbarschaft „auf öfentlichen Cantzlen“ gegen sie gepredigt worden sei und dass viele das Ende dieser Bruderschaft gewünscht hätten! Auf Bemühen der Jesuiten wurde nun zunächst festgelegt, dass die Hirschauer keinen Wein mehr zu ihrer Zecherei ins Wirtshaus mittragen sollten. „Zum andern sollen die weiber alda nit darbey sein“, drittens solle jeder darauf achten, dass er nicht zuviel trinke und „unbehutsames reden“ vermeide. Diese Vereinbarung unterschrieb und besiegelte der „Urbans Schulthaiß“ – so hieß damals in Hirschau der Vorsteher der Vorsteher der Bruderschaft – im Namen aller Bruderschaftsmitglieder Mitte Oktober 1653. Nachdem aber bald darauf der Jesuitenpater, der auf die Einhaltung der Satzung geachtet hatte, von seinem Orden abberufen wurde, fing die Bruderschaft an, die alten (Miß-)Bräuche – „die alte form in allem“ – wieder aufleben zu lassen. Das Zutrinken im Wirtshaus fand wieder statt, St. Urban wurde wieder ins Wirtshaus getragen und „auch die Weiber alle so der Bruderschaft einverleibt darbey sich ainfinden lassen“. Dadurch sei bei den guten Gemeindemitgliedern eine große Verwirrung entstanden, sie seien sehr „bestürzet und bekhümmert“ gewesen. Nun begab sich aber, dass am Urbanstag 1656 einige Frauen, die Mitglieder der Urbansbruderschaft waren, sich weigerten, an dem Abendtrunk teilzunehmen. Das wurde ihnen „als Halßstärrigkheit ausgedeutet“ und der Ortspfarrer wollte sie deshalb sogar aus der Bruderschaft „außschliesen!“
Der Rottenburger Jesuiten-Tugendterror siegte dann doch noch und die Hirschauer Urbansbruderschaft gingt den Bach hinunter, bis sie 2006 im alten Hirschauer Ritus als „Urbansbruderschaft Tübingen“ wieder erstand, allerdings ohne Trinkpflicht. Wegen der Halsstarrigkeit einer Weigerung, an Trinkgelagen teilzunehmen, wird keine Schwester und auch kein Bruder mehr ausgeschlossen.</i>
Dieter Manz schieb auch ein Buch über Jürg Gaebeles Rottenburger Domapotheke:
Manz, Dieter
Die Dom-Apotheke in Rottenburg am Neckar
Seit 1523 im Dienst am Menschen
Vorwort von Repnik, Friedhelm / Tappeser, Klaus. Nachwort von Gaebele, Jürg. Illustriert von Schlüter, Steffen
Sülchgauer Altertumsverein, Rottenburg 1999
Und Jürg Gaebele hat letztes Jahr schon beim Rottenburger Weinfest einen Teil seiner gesammelten Wein-Trinksprüche vorgetragen. Das Schwäbische Tagblatt (Rottenburger Post) berichtete damals:
18.05.2009
Das erste Mal im Nepomukhaus kam gut an – Rottenburg. Auftakt zum Weinfest war bereits am Samstagmittag. Während anfangs vor allem ältere Jahrgänge die Bierbänke füllten, sah man am späteren Abend immer mehr junge Gesichter rund ums Nepomuk Haus. Akkordeonmusik von Helmut Isenmann, Brigite Walter, Claus Blesch, Monika Schweikardt und Erika Piscart trug zur guten Stimmung bei.Das Repertoire reichte von italienischer Tarantella bis hin zu Musette-Walzer. Beim schwäbischen Quasi-Blues „Wenn i Geld gnug hätt“ sang fast das ganze Haus mit. Passend zum Wein trug außerdem Jürg Gaebele Geschichten und Trinksprüche vor. Als „unerwartet erfolgreich“ erlebte Hausherr Ernst Heimes, der die Räume zur Verfügung gestellt hatte, das Fest. Immerhin richteten es diesmal nur die beiden Winzerfamilien Ulmer und Heberle aus statt der sechs Winzer noch im Vorjahr.
ISOLDE KURZ ÜBER DIE TÜBINGER GÔGEN
„Zum Charakterbild des alten Tübingen gehört aber noch eine dritte dort lebende Menschengattung von urtümlichster Beschaffenheit, die weder dem Studenten noch dem Philister hold war ... die in den malerischen Schmutzwinkeln der unteren Stadt oder „Gôgerei“ wohnenden „Wingerter“ (Weingärtner), auch „Gôgen“ und „Raupen“ genannt. Woher diese beiden Bezeichnungen kommen, weiß niemand, eine theologisch gefärbte Etymologie will die Gôgen auf das biblische Gog und Magog zurückführen. ... Wie dem auch sei, beide Namen, Gôgen wie Raupen, wurden von ihren Trägern ungern gehört und pflegten eine tätliche Abwehr nach sich zu ziehen. Die Gôgen unterschieden sich nach ihrer ganzen Wesensart ... so stark von den übrigen Einwohnern, dass manche sie geradezu für Nachkommen eines zugewanderten Fremdvolkes hielten. ... „
Isolde Kurz. Aus meinem Jugendland. Stuttgart 1918
Das Haus Haaggasse 22 um 1930

Kulturdenkmal Nr. 207: Haaggasse 22
Nach den Akten des Landesdenkmalamts:
Das giebelständige dreigeschossige Haus trägt ein Satteldach, das 1789 angehoben und verbreitert wurde. Unter dem Putz befindet sich eine Fachwerkkonstruktion des 16. Jahrhunderts. Im Erdgeschoss haben sich verschiedene Lager- und Abstellräume, ehemalige Ställe für Kleinvieh und eine Werkstatt erhalten: Die heutige Besenwirtschaft. Eine schön gearbeitete, aufgedoppelte Tür aus der Barockzeit gehört hier zu den bemerkenswerten Ausstattungsstücken. Der Gewölbekeller besitzt noch einen alten Zugang vom Hasengässle mit äußerem und inneren Rundbogenportal. Trotz der nachträglichen Aufstockung des Hauses ist die ursprüngliche Dachkonstruktion, ein Kehlbalkendach mit liegendem verzapftem Stuhl, gut erhalten. Die Aufzugsluke im ersten Dachgeschoss ist ein Hinweis auf die einstige Nutzung des Dachbodens als Lagerraum. Da auf diesem Haus keinerlei Belastungen lagen, ist es erst für die Zeit ab 1573 möglich, Besitzer zu benennen. Damals wohnte hier Jerg Zeyher, seit 2003 ist das Haus im Besitz der Weinbau-Familie Brenner.
Unsere Besen-Karte
Karte-10-Schlachtplatte (pdf, 314 KB)
Und die Rückseite: Stadtgeschichte aus der Wein-Perspektive
Karte-Rueckseite (pdf, 116 KB)
Der Tübinger Altstadtbesen in der Haaggasse 22 ist immer zwei Monate vor Weihnachten (Mitte Oktober bis Mitte Dezember) und zwei Monate nach Weihnachten (Mitte Januar bis Mitte März) geöffnet.
Veranstaltungen der Urbansbruderschaft Tübingen e.V. können auch noch an anderen Terminen im Altstadtbesen stattfinden. Die Haaggasse 22 ist auch der Sitz der Bruderschaft, die sich dort regelmäßig trifft.
Die Urbansbrüder-Familien Brenner und King beteiligen sich auch am Wurmlinger Weinbergfest, das immer Anfang Juni am Wurmlinger Kapellenberg stattfindet (Samstag/Sonntag).
Rotweincuvée von der Wurmlinger Kapelle. Hauptrebsorte: Spätburgunder
Tübinger Rosé aus Spätburgunder und robusten Rotweinreben
Unsere Haupt-Rebsorte Grauer Burgunder (Pinot Grigio) wächst in Tübingen und am Kapellenberg
Rotweincuvée aus robusten, pilzwiderstandsfähigen Rotweinreben
Weißweincuvée aus robusten Weißweinreben und Riesling
Besen-Secco von unserem 2008er Riesling-Cuvée